Österreich, Italien, Slowenien - Unser Fliegerausflug 2017

Abflug!

Am 23. August 2017 war es soweit!

Drei Mitglieder der Fliegergruppe Bad Saulgau und unsere befreundeten Fliegerkameraden aus Berg (Ravensburg) trafen sich früh morgens um 08:00 Uhr auf dem Flugplatz Bad Saulgau (EDTU) zum Abflug nach Italien. 

Bei strahlendem Wetter ging es von der Startbahn 12 ostwärts mit Ziel Grabenstätt (EDJG). Ziemlich unspektakulär durch die Kontrollzone Memmingen, vorbei am Ammersee, Starnberger See und anschließend Landung in Grabenstätt.

Nach einer kurzen Pause ging es weiter. Starten und Höhe gewinnen - die Berge waren zum Greifen nah. Und so musste man zunächst einmal "8er" in die Luft fliegen, um die erforderliche Höhe zu bekommen und dann die Alpen zu überfliegen. Und dann waren wir plötzlich mitten in den Bergen. Gewaltig, zerklüftet, ein unbeschreiblicher Anblick. Der Höhenmesser näherte sich langsam den erlaubten 10.000 Fuß (ft; knapp 3.000 m), der Großglockner versteckt sich mit seiner Spitze in den Wolken. Dann ging es vorbei an Zell am See weiter in Richtung Lienz (Tirol, Österreich).

Italien und Berge in Sicht

Benzin Check - jetzt stellt sich die Frage: In Lienz landen und wieder mühsam auf die erforderliche Höhe zum Überfliegen der Berge steigen oder weiterfliegen? Der Tank lässt ein Weiterflug zu. Also: Höhe halten in gen Süden in Richtung Italien fliegen. Und dann war es soweit: die Berge im Rücken und Italien vor uns! 

Jetzt die mühsam gewonnene Höhe abfliegen. Entlang am Fluss "Tagliamento", der zu dieser Jahreszeit eher einem kleinen Bach gleicht, zur Schneeschmelze aber als reißendes Ungetüm Millionen Tonnen Steine und Geröll auf einer Breite von 40 Meter weit ins Landesinnere trägt, flogen wir unserer 2. Landung in Mazarck entgegen.

 

 

"Hello Mazarck Information,

UL-Formation, four Ultralight for landing"

Keine Antwort!

 

 

Also Landung nach eigenem Ermessen. Zwischen Mais- und Sorghumfelder die Wiese, die eine Landebahn sein soll. Runter, landen, parken und Mittagessen!

Mazarck stellt sich als ein Flugplatz mit sehr guter Gaststätte dar, an der sich Flieger, Schiffer, Yachtbesitzer und ein paar Insider zum Essen treffen - und das den ganzen Tag! Im Umkreis der Kneipe kein Haus, keine Zivilisation - nur diese Gaststätte.

Nach einem guten Essen wieder aufsitzen, starten (ohne Tower) und weiter zum ersten Etappenziel Caorle. Caorle ist ein Platz vergleichbar mit dem Verkehrslandeplatz Mengen (EDTM) nahe Bad Saulgau. Nach der Landung können alle Flugzeuge in einer Halle untergebracht werden, wo diese erst einmal stehen bleiben werden.

Zum Schlafen braucht es nicht viel

Und dann kommt's: Das Handy eine Fliegerkameraden klingelt und seine Schwester grüßt freundlich aus Ihrem Urlaub in Carola. Was ein Zufall! Glück für unsere Piloten, denn so war ein Taxi in die Stadt schnell gefunden.

Jetzt musste man sich nur noch eine Schlafgelegenheit suchen. Ein paar Piloten war es danach, unter der Fläche des Flugzeuges zu schlafen. Den Älteren war das ein bisschen zu viel Fliegerromantik und so wurde auf den letzten Drücker noch ein Zimmer organisiert. In Caorle angekommen ist man in das 3-Sterne-Hotel und hat die 4-Bett-Zimmer bezogen. Zwei Personen in einem sogenannten "Doppelbett", zwei Personen im Etagenbett. Jeweils eine Frau und drei Männer, eine Dusche, ein WC und jeder hat es sich verkniffen nachzufragen, wie toll die Nacht doch war...

Venedig ruft...

Der nächste Tag stand allen zur freien Verfügung - so der Plan. Aber im Hinterland von Bibione, Caorle, Jesolo angekommen, war der Drang nach Venedig-Nicelli (LIPV) zu fliegen zu groß. Vom Flugplatz in Caorle zur Küste und am Strand entlang, vorbei an Lido de Jesolo nach Venedig-Nicelli.

Auf dem Flugplatz Venedig-Nicelli trafen unsere Piloten auf einen Flugleiter, der schneller Englisch als Italienisch sprach. Und so stellte sich der Sprechfunk als äußerst herausfordernd heraus. Nur ein Pilot unserer UL-Formation konnte hier mithalten. Jedem aus der Formation wurde einzeln QNH- und Windangaben übermittelt, sowie auf Wiederholung gepocht (was durch die schnelle Sprechweise des Flugleiters bei manchen Piloten für Verunsicherung sorgte). Und so kam die Meldung von Bernhard, unserem Piloten, der dem Flugleiter Paroli bieten konnte: "The Pilot von Number Three is a German"

Damit war dann auch alles geklärt - Gegenanflug, Queranflug, Endteil (s. Bild links), Landung. Geschafft! Nur noch die etwas überteuerte Landegebühr von etwas mehr als 31€ entrichten - und dann war man in Venedig.

Aber in Venedig-Nicelli zu landen ist Rom zu sehen und sterben. Kurz um: Es hat sich rentiert, wenn auch nicht für alle. Jetzt war man also in Venedig, hat eine teure Landegebühr bezahlt, nichts los, nur 2-3 Stunden Zeit und einen leeren Magen.

Tschüss Venedig, hallo Mazarack & Caorle!

Also, Start in Venedig-Nicelli, Ehrenrunde am Rand von Venedig, rauf auf's Meer, vorbei an Jesolo, Caorle nach Mazarack.

Nach einem guten Essen trennten sich die Wege unserer Reisegruppe: die Jüngeren gingen zum Baden, zwei Weitere legten sich unter die Flugzeugflächen und ließen es sich gut gehen, während sich die zwei Anderen sich am Damm auf die Lauer legten , vor sich hin dösten und die vielen Yachten begutachteten. Als sich wieder alle eingefunden hatten, ging es weiter nach Caorle. Nach einem ausgiebigen Stadtbummel suchte man wieder nach etwas Essbarem, was aber in der Touristenfalle nicht ganz einfach war. Mit leeren Mägen schlichen wir an den Restaurants vorbei, in der Hoffnung, dass acht Touristen satt sind und uns Platz machen könnten... Fehlanzeige! Aufteilen und in Vierergruppen die italienische Küche genießen. Während die ältere Generation den Körper in die Waagrechte brachte, lies die jüngere Generation den Abend mit einer Flasche Rotwein auf den Steinen der Mauer von Caorle ausklingen.

Es grüßt: Slowenien

Aufstehen, frühstücken, Taxi und Abschied von "Bella Italia".

Von Caorle an Triest vorbei in Richtung Kroatien. Zuerst entlang der kroatischen Küste und dann rein nach Kroatien und weiter nach Podpec (Slowenien). Podpec, ein idyllischer kleiner Privatflugplatz mit pompöser Grillhütte am Ufer des Ljubljanica.

Jetzt kam die Abenteuerlust eines unserer Piloten zum Überschäumen und so mietete man sich zwei Kanus und paddelte eine Stunde auf dem Ljubljanica. Das Wasser war glasklar, Natur pur und mit etwas Phantasie war es wie auf dem Amazonas, nur kleiner und ohne Krokodile. Aber Fische, Vögel und Stechmücken gab es schon. Nach dem Abstecher haben wir uns verabschiedet und es ging weiter nach Lesze-Bled.

In Letze-Bled war Mittagessen angesagt. Hier gab es Grillteller, die ließen keine Wünsche offen. Da wurde selbst der scheckigste Flieger satt. Gesättigt und zufrieden ging es weiter nach Wolfsberg.

Österreich: Die Heimat naht...

Wolfsberg (Österreich): Unspektakuläre Landung bei Fliegerfreunden und das nächste Problem mit der Übernachtung (Vier Betten für acht Piloten!?!?). Eine Entscheidung musste her: Die "Alten" bekommen die Betten und die, die noch nicht "alt" sein wollten, machten auf Fliegerromantik und rollten die Schlafsäcke aus (eine Nacht unter der Flugzeugfläche war wieder Teil des Plans).

Nach einem guten Frühstück wurden die "Alten" zum Flugplatz gefahren und traf die Romantiker; etwas unausgeschlafen, aber wohlauf. Die Romantiker berichteten über einen wunderbaren Sonnenaufgang, morgendlichen Fluglärm, unendlich viele Tiere, die des Nachts um das Gesicht surren und zu guter Letzt eine morgendliche Minimal-Dusche des Tauwassers, das von der Fläche hinunter tropfte.

Ein Fest unter Freunden

Es geht weiter nach Berndorf (Österreich). Der Anflug auf Berndorf geht vorbei an einer Hochspannungsleitung, über ein Maisfeld auf eine sogenannte "Piste" von Sage und Schreibe 260 Meter. Wir werden in freier Natur mit kalten Getränken von Freunden begrüßt, einfach überwältigend. Nach einer herzlichen Begrüßung wird unsere Flugbegeisterung neu entfacht und die Steiermärker Piloten fliegen mit uns an die ungarische Grenze nach Cunitz. In Cunitz fallen wir dann ein wie die Heuschrecken im Sommer. Ein kleiner Snack, eine kurze Pause, und weiter geht es nach Grabersdorf (ebenfalls Österreich). Privatflugplatz, kurze Piste, Anflug nach eigenem Ermessen. Die ansässigen Flieger bereiten ein Flugplatzfest vor, alle sind noch sehr beschäftigt. Trotzdem gibt es was zum Trinken. Die Flieger sind noch beim Smalltalk, als am Himmel ein Polizeihubschrauber kreist. Gespannt blicken alle zum Himmel, bis er nach der dritten Runde zur Landung ansetzt. Jetzt werden die Mienen bei ein paar unserer Piloten länger. Kommen die etwa wegen uns? Nein! Es sind Freunde des Platzhalters, die ihm anlässlich des bevorstehenden Festes einen Besuch abstatten wollen. Schreck verdaut und wieder zurück nach Berndorf.

Wieder eine anspruchsvolle Landung, dann geht es zur Pension. Alle bekommen heute ein Bett! Nach einer wohltuenden Dusche werden wir von den Steiermärkern abgeholt, denn man ist heute bei einem Freund zum Abendessen eingeladen. Es wird heimisches Essen und Trinken kredenzt, dass keine Wünsche offen bleiben. Nach intensiven Gesprächen und einer Einlage mit der steirischen Harmonika geht dieser Abend seinem Ende entgegen und man wird satt und zufrieden zur Pension zurückgefahren.

Trautes Heim

Auch heute morgen, am Freitag, dem letzten Tag unserer Reise, werden unsere Piloten abgeholt und zu unseren Fliegern gebracht. Es wird noch etwas Benzin getankt und als man sich verabschieden will, teilen uns zwei befreundete Fliegerkameraden aus Berndorf mit, dass sie uns nach Berg (Ravensburg) begleiten wollen. Dankbar nehmen wir die Hilfe der erfahrenen Alpenflieger an und lassen uns durch die Täler nach Kufstein (Tirol, Österreich) führen. In Kufstein wurde dann ein letzter Halt gemacht, etwas gegessen und dann wird zur letzten Etappe nach Berg angesetzt. Wieder vorbei am Ammersee und vorbei an Leutkirch landen alle wohlbehalten in Berg.

Zusammenfassung

  • Ein unglaublich tolles Erlebnis,                                                              dass unseren Piloten im Gedächtnis bleiben wird
  • Flugzeit: 12 Stunden 24 Minuten
  • Geflogene Strecke: ca. 1.400 Kilometer

geschrieben von: Edgar Kroll

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